Jonas reviewed Hexen in Hamburg by Amalia Zeichnerin (Hexen in Hamburg, #1)
Moderne Hexen gegen Nazis
3 stars
Im ersten Band von Hexen in Hamburg mit dem Titel Verflucht erzählt Amalia Zeichnerin, wie Henny (Hexe, Ladeninhaberin und Organisatorin eines paganen Stammtisches) von völkischen Heiden verflucht wird - und wie sie sich mit Freunden dagegen wehrt.
Eines der Genres, mit denen das Buch beworben wird, ist "Cozy Mystery". Die Hauptfiguren nehmen auch auf das Wohlbefinden Rücksicht, es gibt Tee und Kekse. Aber wegen der schlecht greifbaren, ständigen Bedrohung fühlte sich das für mich trotzdem nicht nach Cozy Mystery an.
Ich fand, dass das Verhalten und die Stimmen/Sprechweisen verschiedener Charaktere wenig ausgeprägt sind. Ein oder zwei der Freund:innen von Henny hätten etwas individueller sein können. (Äußerliche Beschreibungen wirken bei mir relativ wenig; Charakterisierung durch Sprechweise oder Verhalten geben mir hingegen viel mehr.)
Die Erklärungen zum paganischen Themen im Text wirken auf mich etwas bemüht. Show, don't tell! Vielleicht hätte es für mich besser funktioniert, wenn die Erzählstimme …
Im ersten Band von Hexen in Hamburg mit dem Titel Verflucht erzählt Amalia Zeichnerin, wie Henny (Hexe, Ladeninhaberin und Organisatorin eines paganen Stammtisches) von völkischen Heiden verflucht wird - und wie sie sich mit Freunden dagegen wehrt.
Eines der Genres, mit denen das Buch beworben wird, ist "Cozy Mystery". Die Hauptfiguren nehmen auch auf das Wohlbefinden Rücksicht, es gibt Tee und Kekse. Aber wegen der schlecht greifbaren, ständigen Bedrohung fühlte sich das für mich trotzdem nicht nach Cozy Mystery an.
Ich fand, dass das Verhalten und die Stimmen/Sprechweisen verschiedener Charaktere wenig ausgeprägt sind. Ein oder zwei der Freund:innen von Henny hätten etwas individueller sein können. (Äußerliche Beschreibungen wirken bei mir relativ wenig; Charakterisierung durch Sprechweise oder Verhalten geben mir hingegen viel mehr.)
Die Erklärungen zum paganischen Themen im Text wirken auf mich etwas bemüht. Show, don't tell! Vielleicht hätte es für mich besser funktioniert, wenn die Erzählstimme von diesen Belehrungen befreit worden wäre - als extradiegetische Elemente, z.B. Textkästen am Ende der Kapitel, hätte mir das besser gefallen.
Kleiner Spoiler im folgenden Absatz: Den Sideplot um das Beziehungsende einer Partnerin im Polykül hab ich erst als Teil des Hauptplots verdächtigt (als Folge des Fluchs), bin aber unsicher, ob diese Ambivalenz absichtlich angelegt ist. Da bin ich als Leser auf eine Fährte geraten, die womöglich gar nicht intendiert war, weil lediglich Ereignisse aus gelebter Polyamorie gezeigt werden sollte?
Was ich sehr gut finde: Der Respekt vor den Charakteren, die Darstellung von Fürsorge, Rücksichtnahme und Gemeinschaft. Amalia Zeichnerin legt in ihren Büchern Wert auf rücksichtsvollen Umgang, Toleranz, Selbstentfaltung, Diversität, Inklusion: Das gefällt mir sehr gut.